The Immortal Species
Das neue Buch von Thomas Huhn · ab 19. November 2026

Bisher ist jeder Mensch gestorben. Für uns ist das vielleicht zum ersten Mal keine Gewissheit mehr.

Künstliche Intelligenz lernt, die Sprache des Lebens zu lesen und zu schreiben. Hier verfolgen wir jeden Tag, wie weit sie schon ist: eingeordnet auf der Leiter der Berechenbarkeit, mit Beleg-Punkten statt Hype.

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Buchcover The Immortal Species und die letzte sterbliche Generation
Leiter-Ticker

Was diese Woche wirklich passiert ist

Jede Meldung bekommt zwei Bewertungen: auf welcher Sprosse der Leiter sie spielt und wie gut sie belegt ist.

Sprosse 1 Molekül: berechenbarSprosse 2 Zelle: teilweiseSprosse 3 Organismus: noch im Nebel
●●● gut belegt (Phase 3, begutachtet, bestätigt)●●○ solide Frühdaten●○○ plausibel, Belege fehlen○○○ Spekulation, Marketing
Sprosse 1: Molekül ●●● Drug Discovery News

FDA lässt GSK-Mittel Hibsago gegen chronische Hepatitis B zu

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Hibsago (Bepirovirsen) von GSK zugelassen. Das ist ein Antisense-Oligonukleotid, also ein kurzes, maßgeschneidertes Erbgut-Stück, das gezielt in die Vermehrung des Virus eingreift. In zwei Phase-3-Studien namens B-WELL durften 24 Prozent der behandelten Patienten ihre antiviralen Medikamente absetzen, in der Placebogruppe niemand. Nach 24 Wochen ohne antivirale Mittel hatten 19 Prozent keine nachweisbaren Virusproteine mehr im Blut. Das gilt als funktionelle Heilung.

Hier zeigt sich, wie weit Medizin auf der untersten Sprosse inzwischen kommt: Ein Molekül wird gezielt entworfen und beendet bei einem Teil der Patienten eine Dauertherapie. Der Text erwähnt allerdings keine KI, und mit dem Altern hat diese Zulassung nichts zu tun.
Warum Sprosse 1: Ein gezielt gebautes Molekül greift in einen klar umrissenen Vorgang ein, die Vermehrung des Virus. · Warum ●●●: Zwei Phase-3-Studien mit Placebogruppe und Zulassung durch die FDA.
Sprosse 3: Organismus ●○○ Diario AS

Große Hunde altern auch im Erbgut schneller

Eine in Science veröffentlichte Studie hat Blutproben von 894 Hunden ausgewertet. Bei großen Hunden fanden die Forscher mehr chemische Markierungen am Erbgut, wie sie für ältere Tiere typisch sind. Diese Markierungen erlauben es, das biologische Alter eines Tieres zu schätzen. 121 Hunde starben innerhalb von zwei Jahren nach der Probennahme. Für jedes Jahr, um das das biologische Alter über dem tatsächlichen lag, stieg das Sterberisiko in diesem Zeitraum um etwa 15 Prozent, auch wenn man Größe und Geschlecht herausrechnete.

Eine Messgröße, die das Sterberisiko in den folgenden zwei Jahren vorhersagt, ist genau die Art Zahl, die das Altern berechenbar machen könnte. Die Forscher betonen selbst, dass noch offen ist, ob diese Veränderungen im Erbgut das schnellere Altern verursachen oder es nur begleiten.
Warum Sprosse 3: Es geht um das Altern des ganzen Körpers und um die Lebenserwartung, hier allerdings bei Hunden. · Warum ●○○: Große, begutachtete Tierstudie. Sie zeigt einen Zusammenhang, aber keine Ursache, und Daten am Menschen fehlen.
Sprosse 2: Zelle ●○○ Tech Times

Cascade: 100 Millionen Immunzellen sollen virtuellen Zellmodellen Proteindaten liefern

Parse Biosciences und Nomic Bio planen den Datensatz Cascade. Er soll 100 Millionen Einzelzellen aus mehr als 150.000 Versuchsbedingungen an Immunzellen erfassen. Für jede Zelle wird festgehalten, welche Gene aktiv sind, und zusätzlich, welche Botenstoffe die Zellen nach außen abgeben. GSK, Pfizer und Sanofi sind als Gründungspartner beteiligt. Bisherige Datensätze für virtuelle Zellmodelle, also KI-Modelle, die die Reaktion von Zellen vorhersagen, messen nur die Genaktivität.

Auf der Sprosse der Zelle fehlen oft nicht die Rechenmodelle, sondern die passenden Messdaten, und hier wird genau diese Lücke angegangen. Ob die Modelle dadurch tatsächlich besser vorhersagen, muss sich erst zeigen.
Warum Sprosse 2: Das Projekt soll KI-Modelle füttern, die das Verhalten von Zellen vorhersagen. · Warum ●○○: Eine Studie in Nature Methods belegt, dass die Lücke existiert. Der Datensatz selbst ist bisher nur angekündigt.
Sprosse 1: Molekül ●○○ Drug Discovery News

Sanofi lizenziert KI-Plattform für länger wirkende mRNA

ScionxBio hat mit Sanofi eine weltweite Zusammenarbeit vereinbart. Die Plattform TERA von ScionxBio soll ausgewählte mRNA-Kandidaten von Sanofi umbauen. TERA nutzt Deep Learning, das mit Daten aus Hochdurchsatz-Versuchen trainiert wurde. Damit sucht die Plattform nach Varianten der Steuerabschnitte der mRNA, die das Molekül vor dem Abbau schützen. Ziel ist, dass eine einzige Dosis Wochen bis Monate lang Protein erzeugt statt nur wenige Tage. Finanzielle Details, Krankheitsfelder und Kandidaten wurden nicht genannt.

Dass KI ein Molekül widerstandsfähiger macht, passt zur Sprosse, die heute schon gut berechenbar ist. Ob daraus eine Therapie mit Wochen an Wirkdauer wird, zeigt erst der Versuch im Körper, und der steht noch aus.
Warum Sprosse 1: Die KI optimiert den Bauplan eines einzelnen Moleküls auf Stabilität. · Warum ●○○: Präklinisches Stadium, öffentliche klinische Daten gibt es laut Text noch nicht.

Alle Meldungen

Frühindikatoren

Fünf Signale, die zeigen, ob die Fluchtgeschwindigkeit näher rückt

Aus Kapitel 4 und 12 des Buches, hier laufend aktualisiert. Stand: 1. November 2026.

#IndikatorZielStandPunkte
1Erste Zulassung aus einer KI-PipelineEine Zulassung durch FDA oder EMA für einen Wirkstoff, der wesentlich von KI entdeckt oder entworfen wurde117 KI-entwickelte Wirkstoffe in Studien (Stand Dez. 2025), zugelassen: keiner. Rentosertib seit 09.09.2026 in Phase 3 (China, 320 Patienten). FDA-Entscheidung über Zasocitinib (am Computer nach physikalischen Berechnungen entworfen) im 1. Quartal 2027.●●○
2Erste Wirksamkeit der Reprogrammierung am MenschenPositives Phase-2-Ergebnis mit Vergleichsgruppe und eine Bestätigung in einem zweiten OrganER-100: erster Patient 09.06.2026; am 08.10.2026 erste Daten von 3 Glaukom-Patienten, gut verträglich, bei 2 von 3 besseres Gesichtsfeld, ohne Kontrollgruppe.●○○
3Zellmodelle schlagen einfache Vergleichsmodelle durchgehendSieger der Virtual Cell Challenge schlagen einfache Vergleichsmodelle und übertragen auf neue Zelltypen, zwei Jahre in Folge2025: Modelle schlugen einfache Vergleichsmodelle nicht in allen Messgrößen. 2026: Wettbewerb mit sechs unbekannten Zelllinien läuft, Sieger Mitte bis Ende November.●○○
4Alters-Uhren als anerkannte Messziele in StudienEine Zulassungsbehörde akzeptiert eine Alters-Uhr als Messziel in einer ZulassungsstudieUhren werden in großen Studien ausgewertet (Rentosertib, Semaglutid), aber nachträglich oder ohne Begutachtung durch Fachleute; keine Uhr ist als Ersatz-Messziel anerkannt.●○○
5Messbare Beschleunigung der LebenserwartungMehr als 0,5 Jahre pro Jahr in mindestens zwei großen Bevölkerungen reicher LänderRund 0,2 Jahre pro Jahr (1990 bis 2019), im letzten Jahrzehnt meist darunter.○○○

Die Punkte zeigen hier, wie nah ein Indikator an seinem Ziel ist: ●●● erreicht, ●●○ in Reichweite, ●○○ erste Signale, ○○○ keine Bewegung.

Die These

Zum ersten Mal ist Biologie kein Schicksal mehr, sondern ein Informationsproblem. Und künstliche Intelligenz lernt gerade, es zu lösen.

Die Leiter

Molekül, Zelle, Organismus. Je höher die Sprosse, desto weniger lässt sich heute berechnen. Jede Meldung zeigt, wo sie wirklich spielt.

Die Wette

Überleben, bis die KI uns am Leben erhält. Wer die Medizin von 2040 erleben will, muss 2040 noch gesund genug sein, um sie zu bekommen.

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Die Wochen, in denen sich die Punkte bewegen

Abwechselnd jede Woche: die wichtigsten Meldungen zu KI und Langlebigkeit, eingeordnet auf der Leiter, mit dem Stand der fünf Frühindikatoren (The Immortal Species), und in der anderen Woche die Maschinenökonomie (The AI Species). Eine Liste, Sie wählen, was Sie bekommen.

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